Entwicklung Staatswappen Österreich

Die Entwicklung des Staatswappens als Symbol des Gesamtstaates erfolgte in mehreren Stufen:

1804

Die erste Stufe wurde mit der Proklamation des Kaisertums Österreich am 11. August 1804 erreicht, als erstmals die bis dahin nur in der Person des Landesfürsten zusammengehaltenen österreichischen Erbländer auch eine staatsrechtliche Klammer erhielten. Gleichzeitig bestand jedoch noch das Heilige Römisch Reich deutscher Nation parallel weiter. Seinen bildlichen Ausdruck fand dieses doppelte Kaisertum in den neu gestalteten Wappen mit den beiden ineinander geschachtelten Doppeladlern und den übereinander gestapelten beiden Kronen, der ottonischen Reichskrone und der österreichischen Reichskrone (habsburgische Hauskrone, Rudolfinische Krone/1602). Dazu kam der erstmals als Gesamtstaatssymbol verwendete rot-weiß-rote Bindenschild.

1806

Das Ende des Heiligen Römischen Reiches machte eine Veränderung des Wappens notwendig. Die Reichskrone wurde entfernt und der Herzschild ist dem Kreuz des deutschen Ritterordens aufgelegt und enthält das neue genealogische Wappen des Hauses Habsburg, das ab nun in allen drei Wappenkategorien gleich bleibend derart gestaltet wird: zweimal gespalten von Habsburg, Österreich und Lothringen.

1815

Nach dem Wiener Kongress und der Neuordnung Europas wurden verschiedene frühere abgetretene Länder wieder mit Österreich vereinigt. Regulierung des mittleren Titels und Wappens. Beim kleinen und mittleren Wappen wurde das dem Brustschild unterlegte Kreuz des deutschen Ritterordens wieder weggelassen.

1836

Bei der Thronbesteigung Kaiser Ferdinands I. wurden das mittlere und große Wappen geringfügig reguliert: beim mittleren Wappen wurde zusätzlich der Schild des Königreichs Illyrien eingeführt. Das große Wappen erhielt letztmals seine Gliederung.

1848

Die Thronbesteigung Kaiser Franz Josephs I. bewirkte keine Wappenveränderung, lediglich das große Wappen wurde nicht mehr verwendet.

1866

Nach dem Verlust der Lombardei und Venetiens änderte sich das mittlere Wappen. Der lombardisch-venezianische Schild wurde ausgeschieden, dafür erhielt die Steiermark, die sich bisher mit Kärnten einen Schild teilte, einen eigenen Schild.

1915/16

Nach jahrzehntelangen Diskussionen um das gemeinsame österreichisch-ungarische Staatswappen kam es mitten im Ersten Weltkrieg zu einer Lösung. Es wurden sechs neue Wappen geschaffen: es gab sowohl in der kleinen, als auch in der mittleren Kategorie je ein österreichisches, ein ungarisches und ein gemeinsames Wappen. Noch 1916 wurden im kleinen ungarischen Wappen und im kleinen gemeinsamen Wappen je ein kroatisches Feld eingefügt.

1918

Nach der Ausrufung der Republik Österreich gab es einen ersten Entwurf von Staatskanzler Dr. Karl Renner, der jedoch wieder verworfen wurde. Renner wollte sich vom Adler der Monarchie zur Gänze trennen und hatte die Trias "Stadtturm, Ährenkranz, Bergmannshämmer" als verbindendes Symbol für Bürger, Bauern und Arbeiter im Auge.

1919

Am 8. Mai 1919 beschloss die konstituierende Nationalversammlung das "Gesetz über das Staatswappen und das Staatssiegel der Republik Deutschösterreich", St.G.Bl.257/1919. :

"Das Staatswappen der Republik Deutschösterreich besteht aus einem freischwebenden, einköpfigen, schwarzen, golden gewaffneten und rot bezungten Adler, dessen Brust mit einem roten, von einem silbernen Querbalken durchzogenen Schildchen belegt ist. Der Adler trägt auf dem Haupt eine goldene Mauerkrone mit drei sichtbaren Zinnen, im rechten Fang eine goldene Sichel mit einwärts gekehrter Schneide, im linken Fange einen goldenen Hammer."

1934

Als die Republik durch den austrofaschistischen "Bundesstaat Österreich" abgelöst wurde, musste auch das zentrale heraldische Symbol des verhassten "Parteienstaates" einer Änderung unterzogen werden. Nach dem Verbot der nationalsozialistischen und sozialdemokratischen Aktivitäten (inklusive aller Parteisymbole, Fahnen, Wimpel) wollte man alles entfernen, was auch nur entfernt an Kommunismus und Sozialismus erinnerte. Ironischerweise entfernte der so genannte "Ständestaat" damit gerade die "ständischen" Elemente des Staatswappens - jene Zeichen also, die das Zusammenwirken von Arbeitern, Bauern und Bürgern symbolisieren wollten. An die Stelle des einköpfigen Adlers trat wieder der Doppeladler, wodurch der Wille zur Rückbesinnung auf altösterreichische Traditionen und Tugenden ausgedrückt werden sollte. Die Adlerköpfe wurden mit einem Heiligenschein versehen (nimbiert), was als Symbol für die christlich-katholische Orientierung des "Ständestaates" zu interpretieren ist.

1938

Erlöschen der Selbständigkeit Österreichs und seines Wappens.

1945

Unmittelbar nach der Befreiung von der Naziherrschaft, noch vor der Kapitulation Hitlerdeutschlands, nämlich schon am 1. Mai 1945, wurde das Gesetz "über Wappen, Farben, Siegel und Embleme der Republik (Wappengesetz)" von der Provisorischen Staatsregierung beschlossen. Wieder war es Dr. Karl Renner, der erste Kanzler auch der Zweiten Republik, der die Initiative hiezu ergriff.
Bereits im 2. Stück des neuen Staatsgesetzblattes verlautbart, bestimmt das Wappengesetz 7/1945:

Artikel 1.
(1) Die Republik Österreich führt das mit Gesetz vom 8. Mai 1919, St.G.Bl. Nr. 257, eingeführte Staatswappen, das die Zusammenarbeit der wichtigsten werktätigen Schichten: der Arbeiterschaft durch das Symbol des Hammers, der Bauernschaft durch das Symbol der Sichel und des Bürgertums durch das Symbol der den Adlerkopf schmückenden Stadtmauerkrone, versinnbildlicht, wieder ein. Dieses Wappen wird zur Erinnerung an die Wiedererringung der Unabhängigkeit Österreichs und den Wiederaufbau des Staatswesens im Jahre 1945 dadurch ergänzt, dass eine gesprengte Eisenkette die beiden Fänge des Adlers umschließt.

1981

Im Rahmen einer größeren Verfassungsreform wurde Mitte 1980 eine Regierungsvorlage ausgearbeitet, die am 1. Juli 1981 vom Nationalrat beschlossen wurde (BGBl. 350/1981). Nach einem 62 Jahre währenden wechselhaften politischen und rechtlichen Schicksal war damit das Staatswappen formell in den Text der Bundesverfassung aufgenommen worden.

Artikel 8a B-VG lautet:

(1) Die Farben der Republik Österreich sind rot-weiß-rot. Die Flagge besteht aus drei gleichbreiten waagrechten Streifen, von denen der mittlere weiß, der obere und der untere rot sind.
(2) Das Wappen der Republik Österreich (Bundeswappen) besteht aus einem freischwebenden, einköpfigen, schwarzen, golden gewaffneten und rot bezungten Adler, dessen Brust mit einem roten, von einem silbernen Querbalken durchzogenen Schild belegt ist. Der Adler trägt auf seinem Haupt eine goldene Mauerkrone mit drei sichtbaren Zinnen. Die beiden Fänge umschließt eine gesprengte Eisenkette. Er trägt im rechten Fang eine goldene Sichel mit einwärts gekehrter Schneide, im linken Fang einen goldenen Hammer.

1984

Am 28. März 1984 beschloss der Nationalrat ohne jede Debatte und einstimmig (wie übrigens auch schon am 8. Mai 1919) das "Bundesgesetz über das Wappen und andere Hoheitszeichen der Republik Österreich (Wappengesetz)". Es bezieht sich in § 1 auf den Artikel 8a B-VG, regelt in § 2 das Siegel der Republik und bestimmt unter der Überschrift "Die Farben und die Flagge der Republik Österreich" in seinem § 3:

(1) Die Farben der Republik Österreich sind rot-weiß-rot.
(2) Die Flagge der Republik Österreich besteht aus drei gleich breiten waagrechten Streifen, von denen der mittlere weiß, der obere und der untere rot sind.
(3) Die Dienstflagge des Bundes entspricht der Flagge der Republik Österreich, weist aber außerdem in ihrer Mitte das Bundeswappen auf, welches gleichmäßig in die beiden roten Streifen hineinreicht. Das Verhältnis der Höhe der Dienstflagge des Bundes zu ihrer Länge ist zwei zu drei.